Aussage gegen Aussage bedeutet nicht automatisch Freispruch
Die Zeiten, in denen die Anzahl der Zeugen über Freispruch oder Verurteilung entschieden haben, sind lange vorbei. Eine glaubhafte Aussage eines glaubwürdigen Zeugen kann für eine Verurteilung ausreichen.
Was ist eine Aussage gegen Aussage Konstellation
Eine Aussage gegen Aussage Konstellation liegt vor, wenn sich unterschiedliche Aussagen gegenüberstehen und weitere Beweismittel wie neutrale Zeugen, Sachverständigengutachten, Spuren oder Urkunden fehlen.
Am häufigsten treten Aussage gegen Aussage Konstellation im
- Sexualstrafrecht (Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Missbrauchsfälle),
- bei Körperverletzungsdelikten,
- im Bereich häuslicher Gewalt,
auf.
Aussage gegen Aussage Konstellation können aber natürlich in jedem Bereich auftreten.
Im Zweifel für den Angeklagten
Der Grundsatz „in dubio pro reo“ (im Zweifel für den Angeklagten), greift nicht automatisch bei einer Aussage-gegen-Aussage-Konstellation ein. Wenn keine Zweifel an der belastenden Aussage bestehen, gibt es keinen Raum für Zweifel. Ein Richter ist in seiner Beweiswürdigung frei (§ 261 StPO).
Anforderungen an Aussagequalität
Allerdings gelten in solchen Fällen besonders hohe Anforderungen an die Beweiswürdigung, die der Bundesgerichtshof aufgestellt hat:
Erforderlich sind eine sorgfältige Inhaltsanalyse der Angaben, eine genaue Prüfung der Entstehungsgeschichte der belastenden Aussage, eine Bewertung des feststellbaren Aussagemotivs, sowie eine Prüfung von Konstanz, Detailliertheit und Plausibilität der Angaben. Bundesgerichtshof, Urteil vom 07.03.2012 – 2 StR 565/11
Das Gericht muss sich also sorgfältig mit der Frage auseinandersetzen, ob die belastende Aussage tatsächlich glaubhaft ist und ob Gründe bestehen, an ihrer Richtigkeit zu zweifeln.
Gerade in Aussage-gegen-Aussage-Verfahren kann jedes Detail von erheblicher Bedeutung sein.
Strafverteidiger Aussage gegen Aussage
In Aussage gegen Aussage Verfahren ist für eine erfolgreiche Verteidigung ein hierauf spezialisierter Strafverteidiger notwendig. Man muss durch gezielte Befragung Widersprüche herausarbeiten, mögliche Belastungsmotive herausstellen, die Plausibilität der Angaben in Frage stellen, alternative Hypothesen aufstellen und sämtliche Aussagen des Zeugen penibel miteinander vergleichen (Konstanzanalyse).
Hierzu sind neben juristischem Wissen Kenntnisse in Aussagepsychologie und in Techniken der Zeugenbefragung essenziell.
Aussage-gegen-Aussage-Verfahren gehören zu den anspruchsvollsten Bereichen der Strafverteidigung. Fachanwalt für Strafrecht Georgios Kolivas verteidigt seit vielen Jahren Mandanten in Verfahren wegen Vergewaltigung, sexuellem Missbrauch, Körperverletzung und häuslicher Gewalt. Durch regelmäßige Fortbildungen im Bereich Aussagepsychologie und Vernehmungslehre verfügt er über besondere Kenntnisse bei der Analyse von Zeugenaussagen und der Befragung von Belastungszeugen.
Sollten Sie im Rahmen eines Sexualdelikts (Vergewaltigung, Missbrauch usw.), eines Körperverletzungsdelikts oder in einer sonstigen Aussage gegen Aussage Konstellation beschuldigt werden, zögern Sie nicht unverbindlich Kontakt zu uns aufzunehmen.
Ein Strafverteidiger sollte möglichst früh eingeschaltet werden, idealerweise schon bei der ersten Vorladung als Beschuldigter. Gerade in Aussage-gegen-Aussage-Fällen werden bereits im Ermittlungsverfahren wichtige Weichen gestellt, etwa durch erste Vernehmungen und die Art der Protokollierung. Mit rechtzeitiger Akteneinsicht und einer klaren Strategie lassen sich Fehler vermeiden, die später kaum zu korrigieren sind.
Tipps Aussage gegen Aussage
- Schweigen
- Spezialisierten Strafverteidiger beauftragen
- Frühzeitig Verteidigungsstrategie festlegen
- Kein Kontakt zum Anzeigenerstatter
- Sichern Sie etwaige Chatverläufe
Ja. Unter bestimmten Voraussetzungen kann bereits die Aussage eines einzigen Zeugen für eine Verurteilung ausreichen.
Nein. Die Zeiten, in denen die Anzahl der Zeugen über Freispruch oder Verurteilung entschieden haben, sind lange vorbei. Eine glaubhafte Aussage eines glaubwürdigen Zeugen kann für eine Verurteilung ausreichen.
Nein. Als Beschuldigter grundsätzlich nicht.
Nein. Gerade in Aussage gegen Aussage Verfahren ist schweigen Gold.
Möglichst sofort nach Erhalt einer Vorladung oder Kenntnis des Vorwurfs. Gerade in Aussage gegen Aussage Fällen werden bereits im Ermittlungsverfahren wichtige Weichen gestellt.